
Grafik: Soldatenglueck.de
Die Deutsche Marine setzt im Kampf gegen die Piraterie am Horn von Afrika nun offenbar auch auf den Einsatz von Kampfschwimmern der Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine (SEK M), um offensiv Nadelstiche gegen Piratenmutter- und versorgungsschiffe auszuführen. Entsprechende Berichte der Bild am Sonntag wurden mittlerweile aus dem Bundesministerium der Verteidigung bestätigt. Demnach befinden sich Kampfschwimmer bereits jetzt auf dem Einsatzgruppenversorger Berlin und könnten dazu eingesetzt werden, Unterwasserangriffe auf Piratenmutterschiffe zu unternehmen. Mit Unterwasserscootern sollen sich die Kampfschwimmer den sog. Whalers nähern und vor allem deren Antrieb außer Kraft setzen.
Die Fähigkeit zu solchen Einsätzen besitzt die Deutsche Marine mit der Kampfschwimmerkompanie in Eckernförde. Taktisch spricht nichts gegen einen derartigen Einsatz. Die Einsätze der Kampfschwimmer unterliegen verständlicherweise der Geheimhaltung, jedoch geht man davon aus, dass Teile dieser Eliteeinheiten in den meisten zurückliegenden Konfliktherden, in denen die Marine oder Bundeswehr involviert war, teilgenommen haben. Unklar bleibt, wie nah die Kampfschwimmer an der Küste Somalias operieren sollen.
Der Einsatz von Kampfschwimmern ist keine taktische Neuerfindung. Verbündete Nationen wie die Franzosen, Niederländer oder Dänen (hier: 2008) unterhalten ähnliche Einheiten, die auch am Horn von Afrika im Rahmen von Geiselbefreiungen und anderen Kommandoaktionen von Anfang an eingesetzt wurden. Augen geradeaus! weist zudem darauf hin, dass auf der Fregatte Niedersachsen 2011 ebenfalls Kampfschwimmer eingesetzt waren.
Mit Einsätzen gegen Piratenmutterschiffe lässt sich der Wirkungsgrad des Einsatzes gegen die Piraten am Horn von Afrika zwar in einem gewissen Maße steigern, weil die Skiffs auf Versorgungsschiffe angewiesen sind. Fragwürdig ist, ob vereinzelte Nadelstiche die vielseitig vernetzten Piraten in diesem großen, unübersichtlichen Gebiet wirklich nachhaltig schwächen können. Ohnehin waren derartige Einsätze auch vorher schon denkbar. Eine großangelegte gemeinsame Operationsserie der im somalischen Seegebiet präsenten Verbündeten Nationen und die vieldiskutierte Ausweitung des Einsatzmandates auf an Land befindliche Ziele könnte dennoch Früchte tragen. All dies wäre insgesamt jedoch nur ein weiterer Akt der Bekämpfung von Symptomen. Weitsichtige Pläne für den failed state Somalia fehlen weiterhin, wie man auf der Somalia-Konferenz in London jüngst beobachten konnte.